|
|
|||||
|
Biotreibstoff – Wahrheit oder Lüge? Die weltweit entstandene Nahrungsmittelknappheit bewirkt in unseren Breiten einen Anstieg der Rohstoffpreise in der pflanzlichen Produktion. In den Entwicklungsländern nimmt dies dramatischere Formen an und führt zu Lebensmittelknappheiten und zum Teil zu drohenden Hungersnöten. Jetzt ergibt sich für viele die Frage, was oder wer Schuld an dieser Entwicklung sei. Missernten aufgrund eines fortschreitenden Klimawandels und eine Zunahme der Bevölkerung von jährlich rund 80 Mio. Menschen und damit ein steigender Lebensmittelkonsum werden als Hauptursachen genannt. Die Diskussionen über die Ursachen des fortschreitenden Klimawandels werden von Lobbyisten sehr einseitig geführt und können nicht widerspruchslos hingenommen werden. Vor allem wird immer mehr die Produktion von biogenen Treibstoffen als Ursache für Klimawandel und Lebensmittelknappheit hingestellt. Umweltbelastung durch die Ölsaatenproduktion? Besonders der Produktion von Ölsaaten wird vorgeworfen, dass dabei ein Vielfaches an Lachgas-Emissionen entstünde. Die dabei verwendeten Düngerwerte entsprechen keinesfalls der landwirtschaftlichen Praxis und wurden eindeutig zu hoch angenommen. Die derzeit praktizierten N-Düngermengen in der Rapsproduktion liegen deutlich unter jenen, welche in einseitigen Expertisen von Wissenschaftern genannt werden. Da Winterraps bereits im August angebaut wird, entwickelt er bereits im Herbst ein gutes Wurzelsystem. Aufgrund dieses Wurzelsystems ist Winterraps in der Lage, 50 bis 70 kg Stickstoff je ha aus den Bodenvorräten aufzunehmen und dadurch vor der Auswaschung zu bewahren. Eine N-Düngung im Herbst ist nur bei schlechter Entwicklung des Rapses üblich und notwendig. Aufgrund der intensiven Durchwurzelung kann Raps im Frühjahr auch aus tieferen Bodenschichten Stickstoff aufnehmen. Dass Raps durch die gute Durchwurzelung zu einer Verbesserung des Bodengefüges beiträgt, wird in den einseitigen Studien bewusst oder unbewusst nicht berücksichtigt. In den in letzter Zeit veröffentlichten Studien wird der Eindruck erweckt, dass alleine durch die Änderung der Anbauverhältnisse zugunsten der Rohstoffproduktion für Biotreibstoffe die Lachgasemissionen zunehmen werden. Es wird vermieden, darauf hinzuweisen, dass hier ein Vergleich zwischen bisher unbewirtschafteten Ackerflächen mit den Flächen für die Produktion von Rohstoffen für Biotreibstoffe erstellt wurde. Dass bei der Verarbeitung pflanzlicher Rohstoffe die Nebenprodukte als hochwertige Futtermittel (Rapspresskuchen, Sonnenblumenpresskuchen) für die Tierhaltung verwendet werden können und keinerlei Abfallstoffe entstehen, wird in oben angeführten Studien nicht berücksichtigt. Dadurch kann sich Europa die Einfuhr großer Mengen an Eiweißfuttermitteln aus anderen Kontinenten ersparen, wodurch geringere Schadstoffbelastungen durch den Transport dieser Futtermittel entstehen. Außer Zweifel steht wohl, dass bei der Verbrennung von Biotreibstoff weniger schädliche Emissionen entstehen. Die Lüge von der Nahrungsmittelknappheit durch die Rohstoffproduktion für Biotreibstoff Derzeit werden in der EU-27 weniger als 2 % (weltweit handelt es sich um 4,5 %) der Ackerflächen für die Produktion von Rohstoffen für Biotreibstoff verwendet. Daher sind Argumente, dass die Rohstoffproduktion für biogene Treibstoffe Schuld an einer Lebensmittelknappheit seien, ad absurdum geführt. Eine der Hauptursachen an der Knappheit von pflanzlichen Grundstoffen sind nur zum Teil die schon mehrjährigen Missernten in vielen guten Produktionsgebieten. Dass diese Missernten im Zusammenhang mit dem fortschreitenden Klimawandel in Verbindung stehen, ist anzunehmen. Daher sollte es an der Zeit sein, ernsthafte Schritte in die Einsparungen der Treibhausemissionen zu setzen. In großen Teilen Osteuropas gehen aufgrund fehlender oder ungeeigneter Siloanlagen jährlich tausende Tonnen wertvolle Nahrungs- und Futtermittel zugrunde. Durch eine Förderung baulicher Maßnahmen und durch eine gute praktische Beratung könnten große Mengen pflanzlicher Produkte wertvoll und zielführend genutzt werden. Haltlose Erklärungen und unseriöse Stellungnahmen von Umweltsprechern verschiedener politischen Richtungen sind nicht dazu geeignet, sinnvolle Maßnahmen zu ersetzen. Die Seriosität einer österreichischen Umweltsprecherin muss wohl in Frage gestellt werden, wenn sie behauptet, dass durch die Beimischverordnung von biogenen Treibstoffen Fleisch teurer wurde, da die Futtermittelpreise ansteigen. Wenn sich diese „ehrenwerte Frau“ wenigstens vor ihrer Aussage die Mühe gemacht hätte, die Marktberichte zu studieren, dann hätte sie erkennen können, dass die Schweine- und Rindfleischpreise beim Produzenten in Österreich derzeit niedriger sind, als im Jahr 2006. |
|||||