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Ursache und Chancen für die Entwicklung der Landwirtschaft in Osteuropa

Ich bin seit mehreren Jahren als agrarischer Berater in Osteuropa tätig. Die Ukraine, große Teile des südwestlichen Russland, Moldavien, Rumänien und auch andere Länder in diesen Regionen haben durchaus gute Produktionsbedingungen im Pflanzenbau.

Die Ukraine galt immer als die Kornkammer Europas, der südwestliche Teil von Russland im Gebiet Krasnodar, Rostov/Don, Woronesch und Belgorod zählen zu den kontinentalen Klimagebieten Europas und die Böden haben ein sehr hohes Ertragspotential. Moldavien war bis 1990 eine der reichsten Länder der Sowjetunion, Rumänien und die Ebenen von Bulgarien zählen ebenfalls zu den guten pflanzenbaulichen Produktionsgebieten.

Es muss aber zugestanden werden, dass diese Gebiete mit Jahresniederschlägen zwischen 400 und 600 mm zu den Trockengebieten Europas zählen. Von den Niederschlägen werden diese Gebiete mit dem östlichen Niederösterreich, der südlichen Slowakei, Ungarn und Serbien zu vergleichen sein.

Ein Unterschied vom Klima liegt in erster Linie daran, dass die Winter besonders in Russland und der Ukraine mit Tiefsttemperaturen von manchmal mehr als -30 °C wesentlich strenger sind und zwei Wochen früher einsetzen und auch zwei Wochen länger andauern.

Trotz guter Produktionsbedingungen hinken die Erträge in vielen Ländern der Welt weit hinter dem möglichen Ertragspotential nach.

Nehmen wir als Beispiel die Entwicklung der Flächenerträge der Ukraine in den Jahren 1986 bis 2001.

Tabelle: Entwicklung des Flächenertrages in der Ukraine in dt je ha

Kultur

1990

1996

2000

2004

Österreich

2004

Getreide (inkl. Mais)

35,1

19,6

19,4

25,8

63,5

davon Winterweizen

40,2

23,2

20,0

13,7

60,6

davon Sommerweizen

30,2

14,7

15,4

k. A.

47,6

Sonnenblumen

15,8

10,5

12,2

14,1

26,9

Zuckerrüben

276

183

177

255

648

 

 

 

 

 

 

 

Am Beispiel der Entwicklung der Ukraine kann man erkennen, dass die Erträge gegenüber den Jahren 1986 bis 1990 geringer sind. Seit dem Jahr 2004 ist jedoch ein Aufwärtstrend erkennbar. Diese Entwicklung ist jedoch nicht nur in der Ukraine feststellbar.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig, jedoch größtenteils „hausgemacht“.

Die häufigsten Probleme im Pflanzenbaubereich:

  • Degradationen durch Schadverdichtungen

  • Veraltete und ungeeignete Bodenbearbeitungstechnik

  • Falsche Bodenbearbeitungstechnologie für ein klimatisches Trockengebiet

  • Mangelndes Know-how in der Technik und Kulturführung

Degradationen durch Schadverdichtungen

Durch den Einsatz schwerer Maschinen entstanden massive Bodenverdichtungen. Durch den Umstand, dass die Betriebe große Ackerflächen mit verhältnismäßig geringer Maschinenausstattung bewirtschaften mussten, war es oft notwendig, auch bei schlechtesten Bodenverhältnissen die Felder zu befahren.

Dieses manchmal notwendige, aber meist unbedachte Befahren der Felder bewirkte, dass fast 60 bis 80 % der Felder massive Verdichtungen aufweisen.

Sowohl Messungen mit dem Penetrometer, als auch eine starke Verunkrautung vor allem mit Quecke und Ackerfuchsschwanz beweisen die vorhandenen Verdichtungen.

Abbildung 2: Penetrometer zur Messung von Verdichtungen                                               Verunkrautung mit Quecke

Es wird vielfach eine chemische Bekämpfung der Quecke durchgeführt. Wenn man aber die Ursachen der Verunkrautung nicht beseitigt, ist der Einsatz von Gräserherbiziden bestenfalls eine kosmetische Tätigkeit.

Veraltete und ungeeignete Bodenbearbeitungstechnik

Die Bodenbearbeitungstechnik stammt meist noch aus der Zeit der Sowjetunion (vor 1991).

Aufgrund der in der Tabelle 1 ausgewiesenen geringen Erträge sind viele Betriebe nicht in der Lage, notwendige Investitionen in eine neue Bodenbearbeitungstechnik durchzuführen.

Bei einem Zinsniveau zwischen 16 und 18 % ist es für viele Betriebe fast unmöglich, Kredite für die Erneuerung der Landmaschinentechnik aufzunehmen.

Falsche Bodenbearbeitungstechnologie für ein klimatisches Trockengebiet

Leider muss festgestellt werden, dass es bei der Neuanschaffung von Landtechnik oft zu Fehlinvestitionen kommt.

Maschinen und Geräte werden oft als Einzelstücke ohne Bodenbearbeitungs- oder Mechanisierungskonzept angeschafft.

Erst bei Folgeinvestitionen kommt man dann drauf, dass diese Geräte weder in der Technologie, noch in der Arbeitsbreite zusammenpassen.

Maschinenverkäufer haben kein Interesse oder kein Fachwissen, um den Betriebsführern die für die Ziele und Probleme der Betriebe passenden Maschinen anzubieten.

Zu intensive Bodenbearbeitung und mangelnde Technik für ein klimatisches Trockengebiet sind die Ursache dafür, dass es trotz moderner Technik zu unnötigen Verlusten der wertvollen Bodenfeuchte kommt.

Mangelndes Know-how in der Technik und Kulturführung

Das Ausbildungssystem kann nur schrittweise auf das notwendige Niveau umgestellt werden. Es gibt jedoch große Bestrebungen, durch internationale Zusammenarbeit zu einer raschen Verbesserung der Situation zu kommen. Ein Problem dabei ist, dass junge Menschen, welche im Ausland eine gute Ausbildung erhalten, nur in den sehr selten in die ukrainische Landwirtschaft zurück kommen.

Für junge Menschen ist es oft sehr schwierig, Führungspositionen zu erreichen, wodurch der Umstellungsprozess sehr lange dauert.

Dass es in der Landtechnik dadurch oft zu Fehlinvestitionen kommt, wurde bereits erwähnt.

Aufgrund der veralteten Technik und des vielfach fehlenden Fachwissens mangelt es oft an der gesamten Kulturführung. Das beginnt bereits bei der Aussaat, welche meist viel zu intensiv durchgeführt wird, wodurch wertvolle Bodenfeuchte verloren geht.

Ein weiteres Problem bei der Aussaat besteht darin, dass das Saatgut nicht den Normen entspricht. In der Ukraine gibt es 5.000 Betriebe, welche Saatgut vermehren. Nur wenige dieser Betriebe sind auch in der Lage das Saatgut entsprechend aufzubereiten.

Dazu kommt noch, dass es in Osteuropa 2 Saatstufen mehr gibt, als in Westeuropa. Zusätzlich ist es üblich, dass davon noch eine 1. und 2. Reproduktion, meist auch ohne Beizung angebaut wird. 

Ein besonderes Problem für viele Betriebe ist die Düngung. Eine pflanzenspezifische Düngung aufgrund von Bedarfsberechnungen oder der Bestandesentwicklung wird auf vielen Betrieben nicht durchgeführt.

Neben großen Mängeln im Pflanzenschutz bedeutet für viele Betriebe eine veraltete und schlechte Erntetechnik letztendlich weitere Verluste.

Abbildung 3: Pflanzenschutz und Ernte

Alle die oben angeführten Argumente sind oftmals Ursache für die schlechte wirtschaftliche Lage der Betriebe.

Daher ist es Aufgabe der Betriebsführer und auch der Vertreter der ukrainischen Agrarpolitik, die Schritte in die Richtung der Beseitigung der Probleme zu setzen.

Durch langfristige Konzepte für eine Betriebsentwicklung, durch die Planung der Mechanisierung und durch Mitarbeiterschulungen kann die Entwicklung der Betriebe positiv beeinflusst werden.

Eine positive Betriebsentwicklung bedeutet nicht nur eine Sicherung der Zukunft, sondern auch eine Sicherung der Arbeitsplätze und eine Möglichkeit zur Verbesserung des Einkommens der Mitarbeiter.

Durch die Verbesserung des Einkommens der Mitarbeiter wird die Abwanderung in die Städte gestoppt und wird es auch wieder interessant sein, in der gewohnten Dorfgemeinschaft zu leben.