Haiti - das verlorene Paradies

Einst war Haiti ein fruchtbares tropisches Land.

Wer heute durch die kahlen, trockenen und erodierten Regionen Haitis fährt, kann sich unmöglich vorstellen, dass hier einst ein tropisches Paradies war. Als das Land zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Unabhängigkeit erkämpft hatte, war der Waldbestand bereits von 95 auf 50 Prozent der Landesfläche geschrumpft. Doch es musste weiter gerodet werden, um mit dem Erlös aus dem Verkauf der Edelhölzer „Reparationen“ an die einstige Kolonialmacht zu zahlen. Diktaturen, Ausbeutung und Korruption fügten der Wirtschaft weiteren schweren Schaden zu.

Armut und Hunger
Armut und Hunger prägen das Leben der Menschen. 90 Prozent von ihnen sind Bauern, die Erträge aus der Landwirtschaft werden aber immer geringer. So sind sie gezwungen, durch neue Rodungen zur weiteren Verödung des Landes beizutragen. Waren vor 50 Jahren noch 20 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt, sind es heute nur mehr zwei Prozent. Weil Holz der wichtigste Energieträger für Haushalt und Industrie ist, werden jährlich schätzungsweise 50 Millionen Bäume gefällt. Der Regen schwemmt dann auf den gerodeten Hängen die dünne Humusschicht weg.

Heute sind die Wälder abgeholzt, die Böden verkarstet und unfruchtbar. Und die Menschen sind hungrig und fragen sich, wie es weiter gehen soll.

Haiti ist heute nicht nur das ärmste Land am amerikanischen Kontinent, sondern eines der ärmsten Länder der Welt.

Die Landwirtschaft ist nicht in der Lage, produktiv zu arbeiten, da es fast keine Landmaschinen gibt und nur einzelne Betrieb in der Lage sind, gewinnbringend oder kostendeckend zu produzieren.

Weltweite Bestrebungen

Aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Situation sollen internationale Hilfs- und Entwicklungsprojekte zur Linderung der Not in Haiti beitragen.

Dies ist aber eine schier aussichtslose Aufgabe.

Aufgrund der zerstörten Infrastruktur und aufgrund der hohen Kriminalität und wirtschaftlich unsicheren Lage finden sich fast keine oder nur wenige Investoren, welche bereit sind, zielführende und langfristige Projekte zu finanzieren.

Entwicklungsprojekte

Durch die hohe Arbeitslosenrate wäre es eine lohnende Aufgabe, Projekte zur Beschäftigung der Bevölkerung und gleichzeitig zu einer Wertschöpfung zu starten.

Mit der Produktion von Rohöl aus der sehr arbeitsintensiven Purgiernuss (Jatropha Curcas) könnten zwei Absichten gleichzeitig erfüllt werden.

Die Jatropha Curcas ist eine mehrjährige Kultur und braucht keine Düngung und aufgrund seiner giftigen Konsistenz auch keinen Pflanzenschutz. Die Frucht ist eine Nuss und hat einen Ölgehalt von rund 50 %. Die Ernte ist derzeit noch nicht mechanisierbar und daher sehr arbeitsintensiv.

Bei Gesprächen mit Vertretern des Landwirtschaftsministeriums in Port au Prince wurde jegliche Unterstützung der Regierung zugesagt. Sie haben jedoch den Wunsch, dass ein Großteil der Wertschöpfung in Haiti bleiben soll.

So soll nicht die Ernte exportiert werden, sondern die Verarbeitung soll noch in Haiti erfolgen und dann in weiterer Folge das Rohöl exportiert werden. Damit könnte der Presskuchen als wertvoller Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden.

Weiters würden dadurch wieder abgeholzte Flächen begrünt werden, was nicht nur zur Verhinderung weiterer Abschwemmungen beitragen kann, sondern auch das Klima positiv beeinflussen kann.

Aufgrund der latenten Energienot sind allerdings Aufforstungsprojekte fast nicht durchführbar, da jegliche Energieträger für Haushalt und Industrie benötigt werden und sofort wieder abgeholzt werden.

Die offensichtlich durch den Klimawandel verstärkt einsetzenden Umweltkatastrophen in der Karibik treffen alljährlich Haiti und zerstören mit ihrer Gewalt das ohnedies wirtschaftlich daniederliegende, einst so fruchtbare Land.