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Konservierende Bodenbearbeitung – ein Beitrag zur natürlichen Bodenfruchtbarkeit

Konventionelle Landwirtschaft, charakterisiert durch Entfernen von Stroh und durch intensive Bodenbearbeitung, wird nach wie vor in Europa praktiziert, weist jedoch negative Effekte auf den Boden, die Wasserqualität, die Biodiversität (biologische Vielfalt) und die Landschaft auf. Bodenbearbeitung, Maschineneinsatz und die Ausrichtung auf ökonomisch ausgerichtete Fruchtfolgen haben in den letzten 50 Jahren das Risiko der Bodendegradierung gesteigert.

Besonders durch die vielfach oft zu intensive Bearbeitung unter ungünstigen Bodenbedingungen und durch die Einarbeitung der Ernterückstände in den Bereich der Krumenbasis hat der Boden eine dramatische Änderung erfahren.

Sicherlich hat der Pflug weiterhin in vielen Betrieben seine Daseinsberechtigung. Es soll aber einmal der sinnvolle Einsatz auch des Pfluges überdacht werden und welche irreparablen Schäden an den Ackerflächen durch die Vergewaltigung des natürlich gewachsenen Bodens durch übertriebene Bodenbearbeitung entstehen können.

Zwischen der konventionellen Bodenbearbeitung und der konsequent durchgeführten Direktsaat gibt es jede Menge von Zwischenstufen in Richtung reduzierter, konservierender Bodenbearbeitung. Schon der Verzicht auf Düngereinleger beim Pflug bewirkt oft einen Mischungseffekt, der Einsatz von Grubbern, sei es jetzt ein für die seichte Einmischung bestens geeigneter Flügelschargrubber oder ein für tiefere Auflockerung und Einmischung der Ernte- und Pflanzenrückstände geeigneter Tiefgrubber können wesentlich dem schleichenden Verlust der natürlichen Bodenfruchtbarkeit entgegenwirken.

Wind- und Wassererosionen haben nicht nur eine Auswirkung auf die Bodenfruchtbarkeit, sondern verursachen durch Verfrachtungen und Abschwemmungen bedeutende off-site Schäden.

Konventionelle Bodenbearbeitung:

Wendende Bodenbearbeitung hinterlässt oft für längere Zeit einen unbedeckten Boden, fördert den Humusabbau und produziert zusätzlich Kohlendioxid (CO2). Diese CO2-Verluste hängen mit dem Aufbrechen des Bodens zusammen, wodurch die Freisetzung des CO2 durch Mineralisierung organischer Substanzen erleichtert wird (Davidson, E.A. and I.L.Ackerman, 1993). Historisch gesehen haben 20 – 30 Jahre intensive Bodenbearbeitung zu Verlusten von bis zu 50 % an Bodenkohlenstoff (Humus) geführt.

Bodenverdichtungen, Wind- und Wassererosionen, Verschlämmungen, Humusschwund sind die Folge von intensiver Bodenbearbeitung ohne begleitende Bodenverbesserungsmaßnahmen (z.B. Zwischenfruchtanbau).

Durch den Verzicht auf Pflanzenrückstände auf oder nahe der Bodenoberfläche (reiner Tisch) haben Bodenlebewesen keine ausreichende Nahrungsquelle, was die natürliche Biodiversität negativ beeinflusst. Ein Rückgang des Gehalts an organischer Substanz beeinflusst Bodenstruktur- und stabilität, Wasserspeichervermögen, Pufferkapazität und Speicherung sowie Austausch von Nährstoffen. 

Konservierende Bodenbearbeitung:

Im Allgemeinen umfasst die konservierende Bodenbearbeitung jedes Verfahren, welches die Eingriffsintensität verringert oder nahezu völlig auf sie verzichtet. Das geht von der intensitätsreduzierten Bearbeitung mit dem Belassen  oder lediglich flachen Einarbeiten von Pflanzen- und/oder Ernterückständen bis hin zur Direktsaat.

Je weniger bearbeitet wird, umso mehr organische Substanz reichert sich im Boden an und verbessert damit nachhaltig die Produktivität des Standortes. Konservierende Bodenbearbeitung kann durch die weitaus günstigere Infiltrationsfähigkeit des Bodens (Porenkontinuität) und durch einen rund 70% geringeren Oberflächenabfluss (Runoff) im Vergleich zur wendenden Bodenbearbeitung eine Reduktion bis zu 70 % des Herbizid-, bis zu 85% des Nitrat- und bis zu 65 % des Phosphataustrages bewirken und vermindert damit die Verschmutzung der Oberflächengewässer.

Eine Bewirtschaftung, welche einen hohen Anteil an Pflanzenrückständen hinterlässt, bietet Nahrung und Schutz für die Tierwelt. Dabei denke ich nicht nur an kleine Säugetiere, Reptilien und Vögel sondern vor allem an die für den Aufbau einer gesunden Bodenstruktur notwendigen Bodenlebewesen. Die Biodiversität der Bodenorganismen wie Mikroorganismen, Nematoden, Regenwürmer ist nützlich für die Pflanzenproduktivität durch ihre Effekte auf Bodenbildung, Nährstoffmineralisierung und die biologische Kontrolle von Schädlingen (Zaborski, 1995).

Der Wassergehalt des Bodens ist oft ein begrenzender Faktor in der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion, besonders im Trockengebiet. Pflanzenrückstände auf der Bodenoberfläche vermindern die Wasserverdunstung, während jede Bearbeitungsmaßnahme diese erhöht. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass konservierende Bodenbearbeitungsmethoden mit eventueller seichter Einmischung von Pflanzen- und/oder Ernterückständen das Wasserspeicherungsvermögen (Schwammeffekt) erhöhen (Berengena, 1997).

Eine Verringerung der Bodenerosionen von 90 % bei Direktsaat und immerhin über 60 % bei nichtwendender Bodenbearbeitung hat eine erhebliche Bedeutung auf den Nährstoff- und Pestizidaustrag von landwirtschaftlichen Flächen in Richtung Oberflächenwasser und Grundwasser.

Oberflächennahe Pflanzenrückstände, welche für die konservierende Bodenbearbeitung charakteristisch sind, helfen Agrochemikalien abzufangen und zu binden, bis sie entweder von den Pflanzen aufgenommen werden oder zu harmlosen Komponenten abgebaut werden. Zum Beispiel sind bei Untersuchungen auf Böden, welche mit nichtwendenden Bodenbearbeitungssystemen bearbeitet wurden, wesentlich geringere Herbizidemissionen im Drainwasser und geringere Emissionen des Nitrat-Stickstoffs festgestellt worden (Fawcett, 1995).

Wirtschaftlichkeit:

Aus landwirtschaftlicher Sicht zwingen abnehmende Verkaufserlöse zu Rationalisierungsmaßnahmen, insbesondere in der kosten-, energie- und zeitaufwendigen Bodenbearbeitung. Es stellt sich daher die Frage nach der notwendigen Intensität der Bodenbearbeitung, die sowohl den ökologischen Anforderungen der Allgemeinheit, als auch den ökonomischen Belangen des landwirtschaftlichen Betriebes entspricht.

Ein aussagekräftiger Vergleich sei hier nur zwischen der konventionellen Bodenbearbeitung und der Direktsaat (no-tillage) gemacht. Durch geringere Wertminderungen an Maschinen und Instandhaltungskosten und geringeren Dieselkraftstoffverbrauch kann ein 200 ha-Betrieb Einsparungen von rund 30.-- €/ha kalkulieren.

Jede andere Form der konservierenden Bodenbearbeitung wird irgendwo ein Mittelding der Kostenschätzung sein, je nach Intensität der gewählten Bodenbearbeitungsform.

Zusammenfassung:

Weltweit hat die Anwendung der konservierenden Bodenbearbeitung in den letzten 15 Jahren deutlich zugenommen. Die Direktsaat ist in den letzten 10 Jahren weltweit von 6 auf 47 Millionen Hektar angewachsen. Die USA sind die Pioniere und sind auch heute noch führend in der konservierenden Bodenbearbeitung.

In Europa wird die konservierende Bodenbearbeitung, vor allem die Direktsaat noch sehr wenig angenommen. Alle anderen Formen der reduzierten Bodenbearbeitung halten jedoch immer mehr Einzug auch in der österreichischen Landwirtschaft.

Es sei nochmals darauf verwiesen, dass es schon ein Erfolg wäre, wenn sich die Landwirtschaft mit einem Umdenken in der Bodenbearbeitung beschäftigen würde. Mischende Bodenbearbeitung, vernünftiger Umgang mit den Begrünungen, um dem schleichenden Verlust an organischer Bodensubstanz entgegenzuwirken und/oder eine Verbesserung der Bodenstruktur zu erzielen, sollte für jeden Landbewirtschafter eine Selbstverständlichkeit werden.

Je weiter sich die Verkaufserlöse dem Weltmarktniveau nähern, umso mehr gewinnen die kostengünstigen Verfahren, wie Direktsaat an Bedeutung. Jahrelange Versuche unter Praxisbedingungen bestätigen, dass unter Zugrundelegung einer ordentlichen Bewirtschaftung in jeder der Bodenbearbeitungsformen vergleichbare Hektarerträge feststellbar sind.

Die konservierende Bodenbearbeitung bietet daher die Möglichkeit, sowohl den Forderungen einer ökologischen Bewirtschaftung, als auch den wirtschaftlichen Belangen des Landwirtes Rechnung zu tragen. Eine erfolgreiche Bewirtschaftung mit dieser Form der Bodenbearbeitung wird aber nur demjenigen gelingen, der rechtzeitig bereit ist, sich mit Unterstützung der Beratung das notwendige Wissen und die notwendige Erfahrung für die von ihm gewählte Form der konservierenden Bodenbearbeitung anzueignen.