Der misshandelte Boden   

Durch die Abhängigkeit von Witterungseinflüssen wird die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung sehr oft von Kompromissen geprägt sein müssen. Jeder Betriebsführer sollte jedoch primäres Interesse haben, seine Böden so zu bearbeiten, dass die Bodenqualität und dadurch die Ertragsfähigkeit ständig gesteigert werden kann.

Fehler und Sünden in der Bodenbearbeitung:

„Der Mut zu warten, ist die Kunst, Fehler zu vermeiden!“ Dieser bäuerliche Spruch ist der wichtigste Erfahrungsgrundsatz für jede Bodenbearbeitung. Gemeint ist damit die Vermeidung jeder Feldarbeit bei nassem Zustand des Ackers. Einer der schwersten und unverzeihlichsten Fehler in der Landwirtschaft ist es, die Böden im nassen Zustand zu bearbeiten. Eine einzige nasse Bodenbearbeitung kann langfristige Aufbauarbeiten des Bodens mit einem Schlag zunichte machen.

 

 

Grund und Boden - mein Besitz

Die immer intensivere Bodenbearbeitung führte besonders in den letzten 30 - 50 Jahren zu einem gesteigerten Humusabbau, sowie zu einer deutlichen Reduzierung der für die Bodenfruchtbarkeit notwendigen Bodenlebewesen. Zur Aufrechterhaltung eines gesunden Lebensraumes aller Bodenlebewesen sollte der Boden so wenig als möglich und so schonend als möglich bearbeitet werden.

Durch Intensivierung des Bodenlebens werden sich immer ertragssteigernde Bodeneigenschaften einstellen. Umgekehrt wird eine Störung oder Verarmung des Bodenlebens eine nachteilige Wirkung auf die Ertragsfähigkeit und Erosionsfähigkeit des Bodens haben. Verdichtungen, Verschlämmungen und Erosion werden immer auffälliger.

Bodenlebewesen:

Bodenlebewesen haben eine wichtige Funktion bei der Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Sie tragen wesentlich zur Verrottung der Ernte- und Pflanzenreste bei. Sie mischen und lockern den Boden, fördern das Pflanzenwachstum und die Ertragsfähigkeit des Bodens und helfen mit, Pflanzenschutzmittel abzubauen.

 

 

Käfer und Würmer

Die uns bekanntesten sichtbaren Bodenlebewesen sind die Regenwürmer. Auf guten tätigen Böden kann die Regenwurmlosung (Kot) bis zu 50 t je ha betragen. Dieser ist mikrobiell stark angereichert und hat einen hohen Gehalt an pflanzenaufnehmbaren Nährstoffen.

Mikroorganismen:

Darunter versteht man jene nicht mehr mit freiem Auge sichtbaren Bodenlebewesen. Standort der Mikroorganismen ist der feste Bodenbestandteil organischer Herkunft z.B. Wurzelhaare, kleinste Humusbestandteile.   

Einem sinnvollen Zwischenfruchtanbau mit einer Hand in Hand gehenden Bodenbearbeitung kommt eine immer größere Bedeutung zu. 

Was kann ich dazu beitragen, dass keine schädlichen Veränderungen entstehen?

Ein wesentlicher Teil ist hier

Der sinnvollen Abwechslung von humuszehrenden und humuserhaltenden Kulturen sollte wieder mehr Stellenwert eingeräumt werden. Besonders bei Intensivfruchtfolgen mit Abtransport des Aufwuchses (z.B. Silomais) sollte unbedingt auf eine Rückführung der organischen Masse geachtet werden. 

Ich will hier 2 Überlegungen in der Bewirtschaftung näher betrachten:

Herbstbegrünung

Eine Herbstbegrünung wird nur dann zur Erhaltung oder Verbesserung der Bodenstruktur beitragen, wenn die Durchwurzelung des Bodens gefördert wird. Dabei sollte man überlegen, welche Begrünungskulturen aufgrund der klimatischen Verhältnisse und der Fruchtfolge des jeweiligen Betriebes sinnvoll ist. Es gibt sehr viele gute Begrünungsmischungen, welche eine hervorragende Verbesserung des Bodengefüges bewirken können. Nicht die Kosten des Saatgutes, sondern der ökologisch-ökonomische Erfolg bestimmt die Auswahl der Begrünungskulturen.

Senf ist besonders für das Trockengebiet mit Skepsis zu betrachten, da diese Kulturpflanze sowohl für den Aufwuchs im Herbst, als auch zur Verrottung im Frühjahr sehr viel Feuchtigkeit verbraucht. Die nicht unbeutenden Maschinenkosten für eine Zerkleinerung des Pflanzenbestandes im Herbst sollte nicht außer Acht gelassen werden. In Fruchtfolgen mit Sonnenblumen, Raps und/oder Leguminosen kann Senf zum Überträger von Krankheiten werden.

 

Phacelia, Buchweizen, Sommerwicken, Platterbsen, Ringelblumen sind hier jedenfalls vorzuziehen. Diese Kulturen sind mit anderen Kulturpflanzen gut verträglich, verbrauchen sehr wenig Wasser, verrotten sehr gut und brauchen nicht zerkleinert zu werden.

 

Verfahren der Bodenbearbeitung 

Konventionelle Bodenbearbeitung

Die stärkste Verbreitung hat nach wie vor die "konventionelle Bodenbearbeitung". Regelmäßiger Pflugeinsatz ist zweifelsohne die oft einfachste Form, Erntereste und Pflanzenrückstände in die obersten Bodenschichten einzubringen. Vor dem Einarbeiten sollte aber auf eine vorherige Einmischung oder zumindest auf einen Verzicht der Düngereinleger geachtet werden, um "Matratzenbildungen" zu vermeiden. Die wendende Bodenbearbeitung bietet zwar den Vorteil einer "schönen" Oberfläche, ist aber besonders auf mittelschweren und schweren Böden arbeitsaufwendig. Auf leichten Sandböden ist ein regelmäßiger Pflugeinsatz vorteilhaft, um Dichtlagerungen zu vermeiden.

Konservierende (reduzierte) Bodenbearbeitung

Auf Ackerböden mit gesunder Bodenstruktur kann die Pflugbearbeitung durch Grubbern ersetzt werden. Auf Problemböden (hohe Ton- und Lehmanteile) ist der Verzicht auf den Pflugeinsatz sowohl pflanzenbaulich, als auch betriebswirtschaftlich überlegenswert. Pflugverzicht ist eher möglich, umso schwerer und trockener der Boden ist.

Ein Rat aus meiner eigenen Erfahrung: Um die positiven Seiten einer konsequent durchzuführenden pfluglosen Bearbeitung auf Problemböden schneller und effizienter zu erreichen, ist das Brechen bestehender Pflugsohlen oder Verdichtungshorizonte mit einem Tiefengrubber oder Untergrundlockerer in den ersten Jahren der Umstellung vorteilhaft. Bearbeitungstiefen von mehr als 35 - 40 cm sind jedoch ein arbeitstechnischer und pflanzenbaulicher Unsinn. Sind Verdichtungshorizonte einmal wirksam gebrochen, ist eine weitere Tiefenlockerung nicht mehr jährlich, sondern nur mehr gelegentlich oder nach besonders ungünstigen Erntebedingungen notwendig.

Die konservierende Bodenbearbeitung ist gekennzeichnet durch Bodenlockerung und oberflächennahe Einmischung von Pflanzenresten. Besonders im Anbau von Winterungen findet dieses Verfahren vermehrt Eingang. Bei guter Vorbereitung des Saatbeetes ist ein Anbau mit herkömmlichen Schleppscharsämaschinen problemlos durchführbar.

Längerer Pflugverzicht ist vorteilhaft bei

  flachgründigen Verwitterungsböden

  erosionsgefährdeten Hanglagen

  kalkreichen Lehm- und Tonböden mit einer intakten Luft- und Wasserführung, mit einer tiefgründigen Bodenschicht und Schrumpfrissen in Trockenzeiten

  zur Verschlämmung neigenden Böden bei weniger als 500 mm Niederschlag

Bei hoher Erosionsanfälligkeit bietet die konservierende (pfluglose) Bodenbearbeitung einen besseren Schutz, da zusätzlich eine Schutzdecke aus Strohmulch oder Pflanzenresten sofort nach der Bodenbearbeitung vorhanden ist.

Neben den sicherlich positiven oder zumindest gegenüber der intensiven Bodenbearbeitung oft nicht negativen Aspekten ist vor allem die arbeitstechnische Einsparung sehr beachtlich.  

Krankheiten und Unkräuter:

Dass Krankheitserreger und Verunkrautung bei der konservierenden Bodenbearbeitung verstärkt auftreten, sei hier aber nicht verschwiegen. 

Da auch die Unkrautsamen in der oberen Bodenschicht günstige Keimbedingungen vorfinden, wird man besonders in den ersten Jahren der Umstellung und/oder bei starkem Unkrautbefall der Vorfrucht mit stärkerer Verunkrautung rechnen müssen. Andererseits sollte man aber berücksichtigen, dass beim konventionellen Pflügen aufgrund der langen Lebensdauer von Unkrautsamen ein Auflaufen der Unkräuter oft nur auf Jahre hinausgezögert werden kann. Bei Einhaltung einer vernünftigen Fruchtfolge von unter 75 % Getreide-Maisanteil und eines gezielt durchgeführten Pflanzenschutzes konnte bei langjährigen Versuchen eher eine raschere Reduktion von Unkräutern beobachtet werden.

Jede Bodenbearbeitung, ob konventionell oder konservierend, sollte in Bezug auf pilzliche Krankheitserreger trachten, dass es zu einem schnellen Abbau der Pflanzenreste kommen kann. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist die gute Zerkleinerung und Verteilung von Ernterückständen. Schlecht verrottete und durch den Pflug vergrabene Strohreste und Pflanzenreste können durch eine neuerliche Pflugfurche wieder an die Oberfläche gelangen und hier zu einer massiven Förderung des Pilzbefalles beitragen.

Schlussfolgerung:

Eine Harmonie aus vernünftiger Fruchtfolge, sinnvoller Rückführung organischer Substanzen und eine gefühlvolle, wirtschaftlich überlegte Bodenbearbeitung können die Aufrechterhaltung eines gesunden Bodengefüges positiv beeinflussen.